SitemapLage der GemeindeImpressumDatenschutzerklärung

Suche:

Wetter in Sand am Main

Veranstaltungskalender

Geflüchtete wollen erst einmal zur Ruhe kommen

Auf Deutsch und ukrainisch willkommen geheißen wurden vor einigen Tagen die ersten Vertriebenen aus der Ukraine. Inzwischen sind es 25, die teilweise privat, teilweise in der Notunterkunft in der Sport- und Kulturhalle untergebracht sind.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

auf mittlerweile 25, davon 10 Kinder, ist die Zahl der Vertriebenen aus der Ukraine in unserer Gemeinde angewachsen. In den Morgenstunden des 13. April sind die letzten beiden von Haßfurt kommend in Sand eingetroffen. Ihr einziger Wunsch: ein warmes Bett und erst einmal richtig ausschlafen.

Waren die ersten zehn Geflüchteten auf Privatinitiative über Bekannte in unsere Gemeinde gekommen, so haben die anderen über das Ankerzentrum Schweinfurt und die Notunterkunft am Schulzentrum in Haßfurt den Weg nach Sand gefunden. Die ersten zwei Familien wurden von mir, Familie Franz-Josef und Sigrid Klinger sowie den Mitarbeiterinnen Corinna Lorz und Margit Mahr in der Sander Notunterkunft im Untergeschoss der Sport- und Kulturhalle kurz begrüßt. Bei Kaffee, Tee und Kuchen wurden erste Kontakte geknüpft. Anschließend bezogen die ukrainischen Gäste gleich ihre Quartiere bei den Privatfamilien.

Nach einigen Tagen folgten weitere Zuzüge. Diese bleiben zunächst einige Tage in der Unterkunft in den Jugendräumen, wo sie in zwei getrennten Räumen mit je drei Personen schlafen können. Ansonsten stehen ihnen eine Küche, Wasch- und Duschräume und der großzügige Raum des offenen Jugendtreffs zur Verfügung. Der ist komplett mit Sitzecken, einem großen Tisch, und Spielmöglichkeiten für die Kinder ausgestattet. Betreut werden die ukrainischen Gäste dort vom Sozialbeirat der Gemeinde unter der Leitung des Beiratsvorsitzenden Gerhard Zösch. Die Frauen und Kinder fühlen sich in ihrer neuen Zwischenstation pudelwohl und warten darauf, in den nächsten Tagen ihr neues Domizil beziehen zu können. Die Frauen und Kinder brauchen erst einige Zeit, um zur Ruhe zu kommen.

Bei den Gästen aus der Ukraine muss neben der Betreuung auch an die Corona-Prävention gedacht werden. Die Frauen und Kinder die aus den Notunterkünften zu uns gekommen sind, sind dort regelmäßig getestet worden. Auf eigene Faust Angereiste wurden bei der Ankunft in Sand getestet. Seit ihrem Aufenthalt in Sand nutzen sie zudem regelmäßig am Mittwoch und Sonntag die Teststation in der Sport- und Kulturhalle. Im Zuge der Sonder-Impfaktion des Landkreises am 20. April in Sand, an dem eine ukrainische sprechende Ärztin anwesend sein wird, wird den ukrainischen Gästen eine Impfung angeboten. Das Angebot wollen alle wahrnehmen.

In der Gemeindeverwaltung wurden die rechtlichen Formalitäten zügig erledigt, so dass die Familien mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden können und zugangsberechtigt für die Bekleidungskammer des Roten Kreuzes und die Tafel sind. Außerdem erfahren die Gastgeber-Familien jegliche Unterstützung.

Ein Segen für die Gemeinde ist, dass mit Olena Hümmer eine aus der Ukraine stammende Frau nicht nur eine Gastfamilie betreut, sondern als Dolmetscherin jederzeit zur Verfügung steht. Gerade bei der Transkription der Dokumente von kyrillischer in lateinischer Schrift ist sie eine große Hilfe. Darüber hinaus gibt sie zusammen mit dem pensionierten Lehrer Bernhard Zellmann ehrenamtlich Sprachunterricht. Die Neuankömmlinge sind sehr wissbegierig und versuchen über die neuen Medien nicht nur die ersten Brocken Deutsch zu lernen, sondern können über verschiedene Übersetzungs-Apps mit den Einheimischen kommunizieren. Überhaupt: WLAN ist für die Neuankömmlinge von zentraler Bedeutung. Über die sozialen Medien halten sie permanent Kontakt in die Heimat zu ihren Angehörigen. Leider erfahren sie auf diesem Weg auch die Horrorgeschichten, die sich dort ereignen.

Eine Familie stammt aus Kramatarosk, der Stadt, in der vor einigen Tagen der Bahnhof bombardiert wurde und zahlreiche Menschen den Tod fanden. Die Großmutter der Familie war noch rechtzeitig aus der Stadt abgereist, so dass sie einen Tag nach dem Bombenanschlag wohlbehalten in Sand ankam.

Gemeindeverwaltung, Sozialbeirat und vor allem die Gastgeber setzen alles daran, um ihren Gästen aus der Ukraine den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen - soweit dies bei dem Hintergrund der Reise und den schrecklichen Ereignissen, die sich tagtäglich in der Ukraine zutragen, möglich ist. Dazu brauchen wir die Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft. Denn so wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt hat, werden die Gefechte noch lange andauern und unsere Gäste noch längere Zeit bei uns bleiben.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die bisher dazu beigetragen haben, dass die Menschen aus der Ukraine nach den erschütternden Erlebnissen in ihrer Heimat eine Bleibe bei uns gefunden haben, um zur Ruhe zu kommen. Wir werden sicherlich noch weitere Unterstützer und Helfer brauchen, um die Betreuung über die nächsten Monate gewährleisten zu können.

Die ersten Fragen, ob sie arbeiten dürfen, kommen von den Ukrainerinnen schon. Damit sie eine Arbeitserlaubnis bekommen, müssen noch einige rechtliche Fragen abgeklärt werden. Dies wird noch zwei bis drei Wochen dauern. Es wäre hilfreich, wenn die Frauen bei uns in Sand oder in der näheren Umgebung eine Arbeit finden können. Die Gemeindeverwaltung wird eine Liste zusammenstellen über die Qualifikationen und die Arbeiten, die übernommen werden können. Es wäre schön, wenn wir in Sand auch auf diesem Gebiet ein Angebot machen könnten.

Ihnen und unseren neuen Gästen wünsche ich ein frohes Osterfest, einige Tage der Erholung und Entspannung bevor wir uns wieder den Herausforderungen unserer globalisierten Welt stellen, in der dramatische Entwicklungen wie in der Ukraine massive Auswirkungen auch auf unsere Lebenssituation haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Bernhard Ruß
1. Bürgermeister