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Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

wann bekomme ich mein normales Leben wieder zurück? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Nachdem wir trotz mancher Lockerungen auf so vieles verzichten mussten: Hochzeits- und Geburtstagsfeiern mit Familie und Freunden, gemeinsam zur Schule zu gehen, Sport zu treiben, unsere Freizeit mit anderen zu verbringen, ist die Sehnsucht nach Normalität groß. Aber: Das Leben ist nun einmal kein Wunschkonzert. Erst recht nicht in einer Pandemie.

Ein Virus hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich wir Menschen sind, wie zerbrechlich das ist, was wir unser "normales Leben" nennen. Gerade an Weihnachten wurde uns das im Vorjahr schmerzhaft bewusst. Wir mussten Abstand halten. Wir haben Freunde und Verwandte vermisst. Viele Ältere und Kranke blieben allein, um sich vor dem Virus zu schützen. Für manche, gerade Jüngere, war diese „Stille Nacht“ viel zu still.

Die Hoffnung war groß, dass in diesem Jahr alles besser wird. Ein Impfstoff war da, das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels schon in Sicht. Der Ausgang aus der Krise schien Schritt für Schritt näher zu kommen. „Wie lang der Weg noch sein wird, hängt auch von uns ab. Bleiben wir auf den letzten Metern vernünftig und geduldig, dann werden wir nach und nach vieles wieder tun können, auf das wir lange verzichten mussten,“ hatte Bundespräsident Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache 2020 gemahnt.

Mahnende Worte, die keiner hören wollte. Weihnachten 2021 - das sollte ein anderes Weihnachten werden. Alles sollte nachgeholt werden. Aber gerade an diesen kommenden Tagen, an denen wir einander besonders nahe sein wollten, müssen wir wieder Abstand halten. In der Weihnachtszeit spüren wir erst recht, wie wichtig uns Menschen sind, wie sehr wir auf andere angewiesen sind: auf ihre Anwesenheit, ihre Zuneigung, auf das Gespräch mit ihnen.

Unbeschwert Weihnachten zu feiern, fällt auch in diesem Jahr schwer. Denken wir nur an die Frauen und Männer, die in diesen Stunden auf den Intensivstationen mit dem Virus ringen. An ihre Nächsten, die um sie bangen. Denken wir an die Menschen, die den Kampf gegen die Krankheit verloren haben und nun fehlen. Auch bei uns in Sand. Denken wir aber auch an diejenigen, die sich von den Folgen der Infektion nur mühsam erholen.

Uns allen haben die Einschränkungen zugesetzt. Schulkinder sind genervt vom unregelmäßigen Unterricht, Familien erschöpft nach fast einem Jahr Homeoffice und Homeschooling. Gastwirte fürchten um ihre Existenz, Einzelhändler sind besorgt wegen der erneuten Schließung von Geschäften, viele bangen um ihren Arbeitsplatz, um die finanzielle Absicherung der Familie.

Fröhlich sind diese Weihnachten wahrlich nicht überall. Aber auch kein Anlass zur Resignation. Selbst nicht in einer Zeit der Verunsicherung, in der diejenigen, die die Gefahr des Virus leugnen, besonders laut und aggressiv auftreten. Denn die Vernünftigen sind die große Mehrheit. Sie sorgen dafür, dass wir Menschenleben schützen und die Krise bewältigen können.

Das ist die gute Nachricht dieses Jahres. Und deshalb ist auch dieses Weihnachten ein Fest der Hoffnung! Die allermeisten Menschen in unserem Land handeln rücksichtsvoll und solidarisch – nicht, weil der Staat es ihnen befiehlt, sondern aus Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung.

Das gilt besonders dann, wenn es darum geht, sich und seine Nächsten mit präventiven Maßnahmen zu schützen. Kontaktreduzierung und Impfen sind die wirksamsten Mittel, auch aus christlicher Sicht. Es sei Sache der Kirche, die Ethik und Moral hinsichtlich einer Impfung in der Corona-Situation zu beleuchten, schreibt der Erzbischof von Bamberg, Dr. Ludwig Schick, in einem Gastbeitrag des Fränkischen Tag. „Es gibt die moralische Pflicht, sich impfen zu lassen, außer wenn gesundheitliche oder andere Gründe dagegensprechen.“ Dann sei eine Güterabwägung vorzunehmen und das Gewissen gefragt. Aber nur dann.

Ich wünsche mir, dass wir diesen christlich geprägten Bürgersinn mitnehmen in das kommende Jahr und dass diejenigen Kräfte in unserer Gesellschaft, die sich einer Prävention gegen die Pandemie in den Weg stellen, ja, die sie sogar nutzen, um die Axt an unsere freiheitliche Grundordnung zu legen, zurückgedrängt werden. Ihnen dürfen wir nicht das Feld überlassen.

Den Hauptkern der Weihnachtsbotschaft bildet die gute Nachricht, eine Nachricht, die tröstet und Zuversicht verbreitet: Christus der Herr ist geboren, der Retter der Welt. Die Hoffnung, die sich daraus für die Menschheit ergibt, ist die Kraftquelle, die uns gerade in schweren Zeiten nährt.

Die zweite Corona-Weihnacht hintereinander lehrt uns Bescheidenheit und Rücksichtnahme. Wer sich und seine Bedürfnisse zurücknimmt, schafft Freiräume für andere. Wer sich schützt, schützt seinen Nächsten.

Trotz oder gerade wegen der Sorgen und Nöte, die uns drücken, gibt uns das Weihnachtsfest die Ruhe und innere Sicherheit, die wir benötigen, um unseren Alltag zu bewältigen. Der weihnachtliche Frieden und das Gefühl, das Weihnachten vermittelt, möge Sie am bevorstehenden Fest begleiten und Ihnen Kraft, Hoffnung und Mut verleihen, damit Sie Ihren Lebensweg im neuen Jahr mutig und zuversichtlich voranschreiten können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches und vor allen gesundes neues Jahr.

Ihr

Bernhard Ruß
1. Bürgermeister