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Wetter in Sand am Main

Veranstaltungskalender

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

nach der 850-Jahrfeier der Gemeinde Sand wurde die Idee geboren, und aus dieser Idee entwickelte sich eines der größten Feste in Franken: Das Sander Altmain-Weinfest, das heuer seinen 30. Geburtstag feiert.

Damals noch um einiges kleiner, hat sich das Fest prächtig entwickelt. Eine schwere und für die Entwicklung des Festes so wichtige Frage wurde mutig und richtig entschieden: Es sollte kein Zeltfest werden. Das schöne Umfeld sollte zur Geltung kommen. Und wenn es mal regnet, so wird das in Kauf genommen. Es gab schon Weinfeste, da stand der Platz unter Wasser. Legendär sind die Zelte, die aus Bänken und Planen gebaut wurden.

Die ersten Weinfeste hat mein Vorgänger Franz Blasl zusammen mit dem damaligen Präsidenten des Weinfestkomitees Günther Schneider eröffnet. In meiner Amtszeit sind 26 weitere gefolgt. Bei allen war ich präsent, nicht einmal habe ich gefehlt.
Von den zahlreichen Eröffnungen, die ich vorgenommen habe, ist mir meine erste aus dem Jahr 1993 in besonderer Erinnerung geblieben: Es war mein erster öffentlicher Auftritt als Bürgermeister und es waren einige Hürden zu überwinden.

Am Sonntag, den 20. Juni 1993, bin ich zum Bürgermeister unserer Gemeinde gewählt worden. Gewohnt habe ich aber nicht in Sand, sondern in Zimmern ob Rottweil in Baden-Württemberg. Weil ich wegen des Restalkohols am Montag nicht fahrtüchtig war, bin ich erst am Dienstag nach Rottweil gedüst und habe mitgeteilt, dass ich ab sofort nicht mehr für den Schwarzwälder Boten arbeite. Am 30. Juni bin ich wieder nach Sand gefahren. Mein Freund Günther Schneider, der damals Präsident des Orga-Komitees war, hatte mich angerufen und gefragt, ob ich bei ihm vorbeikommen könne, bevor ich meinen Dienst antrete. Er hat mich dann gebeten die Begrüßung des Weinfestes zu übernehmen mit den Worten: „Bernhard, Du kannst reden. Du brauchst keinen Zettel.“ Also gut, damit hatte ich gleich den ersten Job.

Jetzt, in meinem neuen Amt und für das Weinfest brauchte ich noch etwas Vernünftiges zum Anziehen. Vor 26 Jahren haben die Bürgermeister - mit wenigen Ausnahmen - noch Anzug und Krawatte getragen. Damals gab’s noch den Herren-Zehe in Haßfurt. Da kannte man die Verkäuferinnen persönlich. Eine davon war die Elisabeth Graser (geb. Hofmann) genannt „Mattla“. Zu der bin ich hin und habe mich eingekleidet. Auf ihren Geschmack musste ich mich verlassen, denn meine Frau Renate war ja noch mit unserer - damals kleinen - Anna im Schwarzwald und hütete das Haus. Und auf „das Mattla“ konnte ich mich auch verlassen. Der blaue Blazer und die altrosa Krawatte, die ich dann zur Eröffnung trug, waren totschick.

Der Tag der Weinfesteröffnung nahte. Und es regnete in Strömen. Es regnete früh um 7. Es regnete früh um 9. Und es regnete auch noch mittags um 11. „Das fängt ja gut“, schoss es mir durch den Kopf. Kaum bist du Bürgermeister, schon fällt das Weinfest aus.
Aber es ist dann doch gut gegangen. Der Regen hat rechtzeitig aufgehört. Zwar nicht ganz trockenen Fußes, aber immerhin mit Halbschuhen bzw. Stöckelschulen konnten die Ehrengäste zur festlichen Eröffnung schreiten.

Im Nachhinein habe ich oft daran denken müssen und Kraft daraus gezogen: Auch wenn der Himmel noch so wolkenverhangen ist, am Ende scheint doch wieder die Sonne. Man darf nur den Mut und die Hoffnung nicht verlieren.

Attraktion in Nordbayern
Dass das Weinfest sich zu solch einem Publikumsmagneten und Attraktion im nordbayerischen Raum entwickeln wurde, konnte man zwar ahnen, aber nicht wirklich voraussehen. Ein Indiz war vielleicht die Aussage eines Bürgermeisters, der 1993 in Pullover und Winterjacke auf dem Festplatz neben mir saß und sagte: „Bernhard, unser Fußballverein hat heute Stiftungsfest. Die haben ein beheiztes Zelt. Aber das ist leer, weil alle in Sand sind.“

Es waren viele rührige Hände und kluge Köpfe, die dazu beigetragen haben, dass das Sander Weinfest zu dem geworden ist, was es heute ist. Es gehörte eine Portion Mut dazu, zu sagen: Wir stellen kein Zelt auf, sondern bleiben bei einer Open-Air-Veranstaltung. Dieser Mut wurde mehrfach belohnt. Es mussten Maßnahmen getroffen werden, um die Anwohner nicht über Gebühr zu belästigen. Sperrzeiten für Musik und Ausschank wurden festgelegt. Dennoch ist es der Toleranz der Anwohner mit zu verdanken, dass eine solch große Veranstaltung mitten in einer Ortschaft stattfinden kann.

Die Sander sind stolz auf ihr Weinfest. Das können sie auch sein. Es ist ein Erfolg der ganzen Dorfgemeinschaft. Es ist das Ergebnis eines WIR-Gefühls, das gerade in der heutigen Zeit des zunehmenden Egoismus für das Zusammenleben der Menschen immer bedeutsamer wird.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein geselliges, unterhaltsames und harmonisches Jubiläums-Weinfest 2019.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Bernhard Ruß
1. Bürgermeister